Lokales 29.10.2026

Künzell plant mit Millionen-Defizit: Grundsteuer könnte 2028 steigen

Künzell (sim) – Die finanziellen Spielräume werden enger, die Ausgaben steigen: Die Gemeinde Künzell steht vor einem anspruchsvollen Haushaltsjahr 2027. Bürgermeister Timo Zentgraf hat in der Gemeindevertretung den Haushaltsentwurf eingebracht und dabei deutlich gemacht, wie sehr steigende Kosten, höhere Umlagen und die wachsenden Ausgaben für die Kinderbetreuung die kommunalen Finanzen belasten. Zwar sieht er die Gemeinde dank ihrer soliden Ausgangslage weiterhin vergleichsweise gut aufgestellt. Doch der Haushalt sei „auf Kante genäht“. Für 2027 rechnet die Gemeinde mit einem Defizit von rund 2,2 Millionen Euro im Ergebnishaushalt. Und auch für die Bürger könnte die Entwicklung Folgen haben: Sollten die Kreis- und Schulumlagen wie angekündigt steigen, kommt Künzell nach Einschätzung des Bürgermeisters an einer stärkeren Erhöhung der Grundsteuer im Jahr 2028 voraussichtlich nicht vorbei.

Fotos: Silas Messing

Schon zu Beginn seiner Rede machte Zentgraf deutlich, wie schwierig die Haushaltsberatungen geworden sind. „Ich konnte mich anstrengen, wie ich wollte. Die Rede ist in meinen Augen nicht mehr halb so lustig wie in den letzten zwei, drei Vorjahren“, sagte er. Die wirtschaftliche Lage, die anhaltende Inflation und die stetig steigenden Kosten machten es immer schwieriger, einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen. In den vergangenen Jahren habe die Gemeinde zwar Rücklagen eingeplant, diese aber aufgrund positiver Entwicklungen nicht vollständig in Anspruch nehmen müssen. Für 2027 werde die Lage deutlich schwieriger.

Steigende Umlagen belasten die Gemeinde

Besonders kritisch bewertet Zentgraf die Entwicklung bei den Kreis- und Schulumlagen. Landrat Bernd Woide habe bei einer Bürgermeisterdienstversammlung eine Erhöhung um zwei Prozentpunkte angekündigt. Sollte der Kreistag diesen Schritt beschließen, würde sich die finanzielle Lage Künzells weiter verschärfen. Statt der bislang kalkulierten sechs Millionen Euro könnte die Belastung im kommunalen Finanzausgleich nach Einschätzung des Bürgermeisters auf rund 6,6 Millionen Euro steigen.

Auch die Ausgaben für die Kinderbetreuung entwickeln sich zunehmend zu einem großen Kostenblock. Das geplante Defizit in diesem Bereich soll von rund 6,3 Millionen Euro im Jahr 2026 auf 6,6 Millionen Euro im Jahr 2027 steigen. Zum Vergleich: 2019 hatte es noch bei etwa drei Millionen Euro gelegen. Zentgraf kritisierte, dass die Kosten deutlich schneller stiegen als die Einnahmen. Die jährliche Anpassung der Elternbeiträge um zwei Prozent ab Januar 2027 reiche nicht aus, um die erwartete Kostensteigerung von rund 4,8 Prozent auszugleichen.

Der Bürgermeister sieht deshalb vor allem Bund und Land in der Pflicht, die Kommunen stärker finanziell zu unterstützen. Die Elternbeiträge deckten nach seinen Angaben weniger als acht Prozent der Kosten. Die Kommunen müssten einen immer größeren Anteil selbst tragen. Zwar gebe es auf Landesebene Bestrebungen, die Standards in der Kinderbetreuung zu reduzieren. Das allein werde die finanzielle Belastung aus seiner Sicht jedoch nicht kurzfristig lösen.

Grundsteuer könnte 2028 erneut steigen

Im vergangenen Jahr hatte Künzell die Hebesätze bei der Grundsteuer angepasst, allerdings nicht in der ursprünglich vorgeschlagenen Höhe. Zusätzliche Landesmittel hätten der Gemeinde 2026 geholfen, die dadurch entstandene Finanzierungslücke auszugleichen. Deshalb sei eine erneute unmittelbare Steuererhöhung für 2027 derzeit nicht vorgesehen.

Für 2028 zeichnet Zentgraf allerdings ein anderes Bild. Sollten die Kreis- und Schulumlagen tatsächlich steigen und sich die finanzielle Lage nicht grundlegend verbessern, werde die Gemeinde die Grundsteuer voraussichtlich stärker anheben müssen. Zugleich verwies der Bürgermeister auf die Notwendigkeit einer besseren finanziellen Ausstattung der Kommunen durch Bund und Land. Künzell habe für die hessischen Kommunen zusätzliche Unterstützung beantragt. Ob und in welchem Umfang weitere Mittel fließen, sei jedoch noch offen.

Investitionen von rund 6,4 Millionen Euro

Trotz des engen finanziellen Rahmens plant Künzell für 2027 Investitionen in Höhe von rund 6,4 Millionen Euro. Ein zusätzlicher Ansatz von 260.000 Euro für den Sportplatz war zum Zeitpunkt der Rede noch durch einen Nachtrag des Gemeindevorstands zu berücksichtigen. Die Investitionen sollen unter anderem in Straßen, Wege und Plätze, Spielplätze, Kinderbetreuung und weitere kommunale Infrastruktur fließen.

Ein Schwerpunkt ist die grundhafte Erneuerung vom Weyherser Weg in Künzell . Dafür sind 2027 zunächst 800.000 Euro vorgesehen. Geplant sind unter anderem Arbeiten an der Straße und den Wasserleitungen. Der Gehweg soll verbreitert und weniger steil gestaltet werden, damit er auch für Menschen mit Rollatoren sicherer nutzbar ist. Um möglichst viele Parkmöglichkeiten zu erhalten, soll zugleich ein entsprechender Streifen für parkende Fahrzeuge berücksichtigt werden. Während der Bauarbeiten ist abschnittsweise eine Einbahnstraßenregelung vorgesehen.

Auch der Ausbau interkommunaler Radwege soll vorangetrieben werden. Für die Verbindung zwischen Künzell und Fulda ist ein Ansatz von 560.000 Euro vorgesehen. Darüber hinaus plant die Gemeinde die Umgestaltung des Bereichs am Bürgerhaus in Keulos mit mehr Grün und Schatten sowie zusätzlichen Stellplätzen im Umfeld des Ärztehauses. Für den Notfall- und Katastrophenschutz ist außerdem ein Betreuungsplatz für mindestens 50 Menschen vorgesehen. Dafür soll die Florenberg-Halle genutzt und mit einem Notstromaggregat ausgestattet werden.

Weitere Maßnahmen betreffen die Sanierung von Straßen, die Modernisierung der Straßenbeleuchtung und Arbeiten am Bürgerhaus in Pilgerzell. Dort sollen unter anderem der Thekenbereich erneuert und zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten geschaffen werden. Die konkreten Planungen müssen teilweise noch mit den zuständigen Ortsbeiräten abgestimmt werden.

Künzell will an Vereinsförderung festhalten

Trotz der angespannten Finanzlage will die Gemeinde an freiwilligen Leistungen festhalten. Weitere Einsparungen wären nach Zentgrafs Worten beispielsweise bei der Vereinsförderung oder der Sportplatzpflege denkbar. Davon wolle er jedoch möglichst Abstand nehmen. Die Vereine seien wichtig für das gesellschaftliche Miteinander und gäben den Menschen vor Ort Halt und Orientierung.

Auch bei der Personalplanung will die Gemeinde zurückhaltend bleiben. Der Stellenplan soll nicht ausgeweitet werden. Stattdessen setzt Zentgraf darauf, vorhandene Abläufe zu verbessern und die Möglichkeiten der Digitalisierung und künstlichen Intelligenz stärker zu nutzen. In der Verwaltung seien in mehreren Sparrunden bereits Einsparpotenziale ausgeschöpft worden.

Die finanzielle Ausgangslage sei im Vergleich zu vielen anderen Kommunen weiterhin solide. Künzell verfüge über eine gute Infrastruktur, die in den vergangenen Jahren insbesondere bei Kindertagesstätten und Feuerwehren ausgebaut worden sei. Diese Investitionen machten sich nun positiv bemerkbar. Zugleich warnte Zentgraf davor, sich auf den bisherigen Erfolgen auszuruhen. Die Überschüsse der vergangenen Jahre würden sich voraussichtlich nicht dauerhaft in dieser Höhe fortsetzen lassen.

Sein Appell richtete sich auch an Bund und Land: Es brauche strukturelle Reformen und eine verlässlichere Finanzierung der kommunalen Aufgaben. Für Künzell gelte es, das Erreichte zu sichern und zugleich verantwortungsvoll mit den verfügbaren Mitteln umzugehen. „Reformieren statt lamentieren“, fasste Zentgraf seine Haltung zusammen. Der Haushaltsentwurf wird nun in den Gremien beraten, ehe die Gemeindevertretung über den Haushalt für 2027 entscheidet.