Für die Künzeller ist es zweifelsohne ein besonderes Spiel – immerhin qualifizierte sich der TSV erstmals für den Hessenpokal: Als fairstes Team sämtlicher Verbandsspielklassen in der Saison 2025/26 erhielt der Verein automatisch einen Platz in der Runde der letzten 16 und kann sich nun auf ein Duell mit den Gästen aus Südhessen freuen – im Falle eines Weiterkommens könnte im Viertelfinale die SG Barockstadt warten. „Die Vorfreude in der Mannschaft ist riesig“, betont Jochen Maikranz vor dem Duell mit dem Süd-Verbandsligisten: „Es gibt sicherlich viele Spieler im Amateurbereich, die in ihrer Karriere nie das Glück haben, ein so großes Spiel erleben zu können. Auch bei uns haben das viele sicherlich noch nicht erlebt. Hessenpokal, die Flutlichter gehen an, für uns ist das Champions League.“
Sportlich kommt auf den TSV eine große Herausforderung zu: Rot-Weiß Darmstadt belegt in der Verbandsliga Süd aktuell den sechsten Platz mit Ambitionen nach oben, gewann am vergangenen Samstag beim Hessenliga-Absteiger Hanau 93 mit 3:0 und hat mit Rechtsaußen Florian Zorn unter anderem einen Spieler in den eigenen Reihen, der es auf 36 Regionalliga-Einsätze bringt. „Nüchtern eingeschätzt: Da liegen eineinhalb Ligen zwischen beiden Vereinen“, erläutert Maikranz mit Blick auf die Südhessen: „Es wird wichtig sein, dass wir uns in vielen Phasen so gut es geht irgendwie auf Augenhöhe heranrobben. Wichtig wird sein, nicht sofort in eine Falle zu tappen, ansonsten wird man schnell überrollt. Ich hoffe es gelingt uns, die Vorteile des Gegners mit unseren Mitteln zu neutralisieren.“
Die sportlichen Vorzeichen für die Künzeller scheinen jeweils zu stimmen: Nach dem 0:6 in Eiterfeld konnte sich der TSV am Samstag gegen Borussia Fulda durchsetzen und kehrte damit in die Erfolgsspur zurück, darüber hinaus wird am Mittwochabend am Noppen gespielt – auf den Kunstrasenplatz musste der Verein bereits in der vergangenen Saison notgedrungen ausweichen und entwickelte sich dort und unter Maikranz Führung zu einer absoluten Heimmacht. „Wir fühlen uns dort sehr wohl“, weiß auch der TSV-Coach: „Das war in der letzten Spielzeit lange unser Wohnzimmer, wir konnten dort viele Erfahrungen und positive Eindrücke sammeln. Die wollen wir jetzt ins Spiel gegen Darmstadt mitnehmen.“ Über ausreichend Erfahrung auf Kunstrasen verfügen allerdings auch die Südhessen – Maikranz selbst am Dienstag noch seine Kontakte, um sich ein noch besseres Bild vom Gegner zu machen.
„Ich habe mich mit einem Kollegen ausgetauscht, der Darmstadt in dieser Saison zwei Mal gesehen hat. Das ist eine technisch sehr versierte Mannschaft, die zweifelsohne über Qualität, Talent, Abgezocktheit und Erfahrung verfügt“, erläutert der A-Lizenz-Inhaber: „In der letzten Partie haben sie aber während des Spiels nochmal Anpassungen am System vorgenommen, sodass die letzten Inhalte unklar bleiben.“ Trotz des prestigeträchtigen Duells vor Augen liegt der Fokus beim TSV aber ohnehin auf der Liga: „Die Runde hat Priorität. Wir sind froh, dass wir nach der bitteren Niederlage in Eiterfeld die Punkte gegen Borussia Fulda geholt haben.“ Mit 24 Punkten belegen die Künzeller in der Gruppenliga aktuell den zweiten Tabellenplatz – sowohl nach oben als auch nach unten beträgt der Abstand auf die Konkurrenten Sickels und Huttengrund sechs Punkte.
Dass Maikranz und Co. dem Ligaalltag allerhöchste Aufmerksamkeit schenken, verwundert gerade angesichts der personellen Situation im TSV-Lager niemanden. Stammkeeper André Ditzel zog sich am Eiterfelder Hain eine Kreuzbandverletzung zu und wird in der kommenden Woche operiert. „Es ist noch unklar, ob das Kreuzband komplett gerissen ist oder es sich ‚nur‘ um eine Teilruptur handelt“, gibt Maikranz Auskunft. Für Ditzel wird, wie schon gegen Fulda, Leo Schramm im Kasten stehen: „Er hat das schon gegen Borussia gut gemacht und genießt unser Vertrauen“, stärkt der Übungsleiter dem Youngster den Rücken. Bemerkenswert: In Maikranz‘ Amtszeit in Künzell spielte der TSV drei Mal zu Null, zwei Mal stand Schramm zwischen den Pfosten. Neben dem Ausfall von André Ditzel plagen den Trainer allerdings noch weitere personelle Fragezeichen: Die Einsätze von Louis Winkow, Munir Tekleyes, Marcel Huder und Yannick Kretsch stehen allesamt auf der Kippe, wobei Maikranz hofft, „dass da noch ein paar Spieler zurückkommen, damit wir eine zweite oder dritte Welle zünden kennen.“
Trotz des priorisierten Ligaalltags und der abermals angespannten Personallage ist die Vorfreude auf das Duell mit dem Verbandsligisten aber ungetrübt – zumal auch in Künzell nicht nur Jochen Maikranz weiß, dass in einem Spiel alles möglich ist: „Wir haben nichts zu verlieren und können nur gewinnen – mindestens Respekt, vielleicht auch noch mehr. Wir sind froh, uns auf dieser Ebene messen zu können und werden das Beste daraus machen. Egal wie es ausgeht, lernen werden wir in jedem Fall aus der Erfahrung.“
