Lokales 31.10.2026

Grüne/Volt besuchen das Wasserwerk Armenhof

Armenhof (pm/pf) – Das Wasserwerk Armenhof wird vom Zweckverband Gruppenwasserwerk Vorderrhön betrieben und versorgt zehn Ortschaften aus den Gemeinden Dipperz, Hofbieber, Künzell und Petersberg. Am 26. Oktober war die Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen / Volt dort zu Gast.

Die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen / Volt zu Besuch im Wasserkraftwerk Armenhof. Fotos: Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen / Volt

Spitzentrinkwasser vor Ort

Unter der fachkundigen Führung von Markus Goldbach (Tiefbautechnisches Büro Köhl, Fulda) und Fee Goldbach, die einzige verantwortliche Fachkraft für Wasserversorgung im Zweckverband, wurde das Thema Wasser in allen Facetten beleuchtet. Die Tiefbrunnen in unseren Buntsandstein-Gebieten fördern weiches Wasser, das nicht kalkhaltig ist und daher ohne umfangreichere Aufbereitungsmaßnahmen auskommt. „Wir haben Spitzentrinkwasser hier vor Ort“, so Markus Goldbach. Das Wasser wird in mehreren Hochbehältern in der Umgebung gespeichert. Das Speichervolumen ist bedarfsgerecht auf einen Tag ausgelegt, zusätzlich muss ein Anteil zur Löschwasser-Versorgung vorgehalten werden. Die Aufbereitung des Wassers erfolgt in zwei Stufen: Durch Zugabe von Sauerstoff wird Kohlensäure ausgegast. Anschließend läuft das Wasser über natürliches Filtermaterial (halbgebranntes Dolomit). 

Viel Fach- und Erfahrungswissen

Mit Staunen und Respekt erfuhr die Fraktion, wie detailreich die Anlage ist und welch unglaubliches Erfahrungswissen hinter Abläufen, Prozessen und Aufgaben steckt. Den Wasserhahn öffnen wir meist schnell und ohne uns Gedanken darüber zu machen, welcher Aufwand täglich notwendig ist, damit alle hochwertiges Trinkwasser zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfügung haben. „Die normalen Abläufe haben wir gut im Griff. Anders wird es, wenn wir Rohrbrüche und Wasserabgänge wahrnehmen. Zum Aufzuspüren ist einiges an Detektivarbeit nötig“, erklärte Fee Goldbach. Und das bedeute immer auch Bereitschaftsdienst und ungeplante Einsätze. Das ist mit ein Grund, warum viele Wasserverbände der Fachkräftemangel plagt. „Wir könnten hier gut zu dritt arbeiten, aber Bereitschaftsdienst und ungeplante Einsätze machen den Beruf trotz guter Bezahlung für viele unattraktiv“, so Frau Goldbach. 

Große Herausforderungen in der Zukunft

Eine große Herausforderung sind auch in die Jahre gekommene Rohrleitungssysteme, die nun brüchig werden. Die heute größtenteils verbauten PE-Rohre führen dann zu Problemen, wenn sie nicht fachmännisch in Sand verlegt sind – die Folge können vermehrte Rohrbrüche und Wasserverluste mit bis zu 20 Prozent der Wassermenge sein. 

Die Zukunft ist nicht gerade arm an Herausforderungen: Mehr und längere Trockenperioden, verändertes Verbraucherverhalten (Gärten, Pools etc.), mögliche Wasserknappheit beim Ausfall von Anlagen, Fachkräftemangel, Rohrnetzverluste und die notwendige Modernisierung der Rohrnetze. Eine weitere zentrale Aufgabe ist es, die vorhandene Infrastruktur resilient gegen mögliche Angriffe, Stromausfälle oder Sabotage zu machen. 

Mit leiser Wehmut wurde um den „Wasserpfennig“ getrauert. 1992 hatte die rot-grüne Landesregierung eine Abgabe auf Grundwasser- oder Oberflächenwasserentnahme eingeführt, das schuf finanzielle Anreize zum Wassersparen und half bei der Finanzierung wasserwirtschaftlicher Maßnahmen vor Ort – z.B. auch bei der Modernisierung des besuchten Wasserkraftwerks Armenhof.