Künzells Bürgermeister Timo Zentgraf begrüßte die Anwesenden und unterstrich die Bedeutung des Berufsstandes für die Identität der Region. „Unsere Landwirte leisten Tag für Tag Großes“, betonte er und fügte hinzu, dass dies in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit mehr sei. Auch Landrat Bernd Woide wandte sich an das Publikum. Er sicherte zu, im Rahmen der kommunalen Möglichkeiten daran mitzuarbeiten, dass die Landwirtschaft eine langfristige Zukunft hat. Als positive Beispiele nannte er das Projekt „Grünes Band“ sowie die rechtliche Sicherung des Biosphärenreservats. Ein Thema bleibe der Artenschutz, insbesondere mit Blick auf den Wolf im Jagdrecht. „Wenn der Wolf uns behindert, dann muss man vernünftige Lösungen finden“, so Woide, wobei er klarstellte, dass niemand die Ausrottung des Tieres anstrebe. Landtagsabgeordneter Thomas Hering hob ebenfalls die Wichtigkeit der Branche hervor, gab jedoch zu bedenken, dass die öffentliche Wahrnehmung nicht überall der Realität entspreche. Themen wie Flächenverbrauch und Flächennutzung müssten deutlicher als Teil der landwirtschaftlichen Gesamtsituation kommuniziert werden.
Stefan Schneider, Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes, gab einen Einblick in die wirtschaftliche Situation. Abgesehen vom Rindermarkt seien viele Bereiche derzeit sehr angespannt. Die Landwirtschaft sei bereit, Umwelt- und Tierwohlstandards zu erfüllen, doch die Wettbewerbsfähigkeit müsse gewahrt bleiben. Da im Ausland oft andere Voraussetzungen herrschten, bleibe der Bürokratieabbau ein Kernthema. „Wer sich damit beschäftigt weiß, dass es gar nicht so einfach ist, aber wir sind weiter dran“, erklärte Schneider.
Landwirtschaft als bedeutende Wirtschaftskraft
In ihrem Vortrag „Was erwartet die deutsche Landwirtschaft 2026 und danach?“ betonte Generalsekretärin Stefanie Sabet, dass die Politik die geleistete Arbeit zunehmend anerkenne. Mit rund 52.000 Betrieben stelle die Landwirtschaft eine bedeutende Wirtschaftskraft dar, die ihre Rahmenbedingungen aktiv mitgestalten solle. Sabet verwies auf jüngste Erfolge wie die Regelungen zum Agrardiesel, das Jagdgesetz zum Wolf sowie ein Gutachten, das für Saisonarbeiter eine Mindestlohn-Ausnahme mit einem Abschlag auf 80 Prozent ermöglicht. „Diese Regelung ist wichtig, damit Produktionen nicht ins Ausland abwandern“, so Sabet. Wie effizient die Branche heute arbeitet und wie wichtig sie sei, verdeutlichte sie an einem Vergleich: „Ein Landwirt hat im Jahr 1949 zehn Menschen ernährt, heute sind es 150 Menschen.“
Vorstandswahlen und Ehrungen
Im Rahmen der Versammlung wurden zudem Ergänzungswahlen zum Vorstand durchgeführt. Neu in das Gremium gewählt wurden Peter Bleuel, Christian Hartmann, Daniel Manz, Stefan Quanz und Uwe Kirchner. Zum Abschluss händigten Stefan Schneider und Stefanie Sabet Ehrungen an verdiente Vorstandsmitglieder aus.
