„Er wollte meinen vollständigen Namen, mein Geburtsdatum, meine Telefonnummer und wissen, was ich derzeit bezahle. Ich fand das ziemlich merkwürdig“, schilderte die Leserin. Sie vermutete zunächst, dass es sich um Betrüger oder Datensammler handeln könnte, und bat die Osthessen-Zeitung um eine Recherche. Auf Nachfrage erklärte die Gemeinde Künzell, dass immer wieder sogenannte Ranger-Mitarbeitende im Ort unterwegs seien. Ob dies aktuell der Fall sei, sei der Gemeinde zunächst jedoch nicht bekannt gewesen.
Eine Nachfrage bei der Deutschen Telekom brachte schließlich Klarheit: Das Unternehmen bestätigte gegenüber der Osthessen-Zeitung, dass derzeit Mitarbeitende des Vertriebspartners Ranger Marketing & Vertriebs GmbH im Postleitzahlengebiet 36093 Künzell unterwegs sind. Nach Angaben der Telekom werden die jeweilige Kommune sowie die lokalen Medien in der Regel vorab darüber informiert, wenn Direktvermarkter in einem Gebiet tätig werden.
Bei Ranger handelt es sich nicht um ein Subunternehmen der Telekom, sondern um einen autorisierten Vertriebspartner, der eigenständig im Auftrag des Unternehmens arbeitet. Die Berater informieren Haushalte über den aktuellen beziehungsweise bevorstehenden Glasfaserausbau sowie über die dazu passenden Tarifangebote. Nach Angaben der Telekom ist die Haustürberatung ein wichtiger Bestandteil der Vermarktung, da viele Bürgerinnen und Bürger gar nicht wüssten, dass bei ihnen bereits ein Glasfaseranschluss verfügbar sei oder in Kürze bereitgestellt werde.
Die Telekom betont, dass für die Direktvermarktung klare Regeln gelten. Alle Mitarbeitenden müssen mindestens zehn verpflichtende Schulungen absolvieren und sich dem sogenannten „Code of Contact“ verpflichten, der den Ablauf der Beratungsgespräche regelt. Zudem müssen sich die Berater eindeutig ausweisen können. Dazu gehören Telekom-Kleidung, ein gut sichtbarer Dienstausweis mit Lichtbild sowie ein Autorisierungsschreiben der Telekom. Wer Zweifel an der Identität eines Mitarbeiters hat, kann diese über die bundesweite Hotline 0800/3309765 überprüfen lassen.
Unabhängig davon gilt: Niemand ist verpflichtet, einen Berater in die Wohnung zu lassen, persönliche Daten preiszugeben oder einen Vertrag direkt an der Haustür abzuschließen. Wer sich unsicher fühlt, sollte sich den Ausweis zeigen lassen, die Identität telefonisch überprüfen oder sich Bedenkzeit nehmen und das Angebot später direkt bei der Telekom prüfen.
Die Osthessen-Zeitung empfiehlt grundsätzlich, persönliche Daten nur preiszugeben, wenn die Identität des Gegenübers zweifelsfrei feststeht. Bei Verdacht auf unseriöses Verhalten sollten Betroffene die Polizei informieren.
