Im Fußball ist die Amtszeit als Trainer bei einem Verein oftmals nicht besonders lang. In Künzell ist dies anders. In den vergangenen vier Jahren etablierte sich der TSV mit dem ehemaligen Spielertrainer Marco Gaul in der oberen Tabellenhälfte. Die schlechteste Platzierung war Rang sieben, die beste Platz fünf. So trat der aktuelle Trainer Jochen Maikranz in große Fußstapfen, als er im Sommer an den Tannen übernahm. Doch der Coach überzeugte auf ganzer Linie und führte Künzell erstmals seit der Saison 2017/2018 zum Ende der Hinrunde wieder unter die Top drei. Die Halbserie glich allerdings einer Achterbahnfahrt. Deutliche Kantersiege wie gegen Freiensteinau und Elters/Eckweisbach/Schwarzbach standen schwer erklärbaren Auftritten wie gegen die Aufsteiger Niederaula/Kerspenhausen (0:2) und Sickels (1:2) gegenüber. Ende September kassierte der TSV dann eine 3:4-Niederlage bei der SG Aulatal – startete im Anschluss allerdings einen kleinen Lauf: Nach dem 3:2-Erfolg in Neuhof holten die Künzeller zwölf Punkte aus den verbleibenden fünf Spielen bis zur Winterpause. „Das Spiel in Neuhof war der Gamechanger“, blickt Trainer Jochen Maikranz zurück: „Nach dem Aulatal-Spiel mussten wir aufpassen. Es sah sehr danach aus, dass wir unten reinrutschen könnten. Wir haben uns aber in einen Rausch gespielt und wirklich viele Tore geschossen“, lobt der TSV-Coach, kritisiert jedoch auch das Auftreten seines Teams auf gegnerischen Plätzen: Lediglich zwei der acht Auswärtsspiele konnte Künzell gewinnen. „Das hat sich ein bisschen abgewechselt. Da waren aber auch Auftritte in der Fremde dabei, die nicht ligatauglich waren.“ Vor allem in der Defensive haperte es häufig: Mit 31 Gegentreffern stellt der TSV die schlechteste Defensive der oberen Tabellenhälfte. Zum Vergleich: Schlüchtern und Bronnzell stellen mit 20 Gegentoren die besten Abwehrreihen der Liga. Im neuen Jahr möchte der Coach daher an der Defensive arbeiten. „Wenn du nach vorne überragend performst, kann man das kompensieren. Daraus dürfen wir aber nicht die falschen Schlüsse ziehen“, warnt Maikranz: „Wir müssen alle breit sein und uns einbringen. Jeder einzelne ist gefordert.“
In den vergangenen Spielen sah der Übungsleiter jedenfalls Fortschritte, besonders in der letzten Linie. Umso mehr trifft den Verein die Nachricht, dass Jannes Schramm und Tom Emde in der Rückrunde pausieren und sich voraussichtlich erst im Sommer wieder der Mannschaft anschließen werden. Beide Spieler zieht es beruflich respektive privat ins Ausland. Die beiden Leistungsträger in der Künzeller Defensive fehlen damit in den restlichen 13 Spielen und hinterlassen eine große Lücke in der Verteidigung des TSV. „Das sind zwei Hiobsbotschaften, die wir trotz unglaublichen Aufwands nicht kompensieren konnten“, bedauert Maikranz. Der Verein bemühte sich um eine externe Lösung, bislang jedoch ohne Erfolg. „Es könnte ein Absturz mit doppeltem Boden drohen“, so Maikranz, der die Gemüter dennoch beruhigte. Trotz aktuell dreier Langzeitverletzter habe der TSV in der Breite einen qualitativ gut aufgestellten Kader. Das Ziel daher: Den Wegfall von Schramm und Emde bis zu ihrer Rückkehr im Sommer mit Spielern aus den eigenen Reihen oder den verletzten Rückkehrern kompensieren. „Wir wollen die Aufbruchsstimmung und Entwicklung weiter vorantreiben und oben mitspielen“, gibt der Coach die Marschroute vor. Dennoch lässt er Vorsicht walten, besonders da die Langzeitverletzten Zeit benötigen, um wieder voll einsatzfähig zu werden. „Am liebsten würden wir die Lücke aus den eigenen Reihen schließen. Ich habe das Gefühl, dass hier etwas aneinanderwächst“, bleibt Maikranz optimistisch. Favoriten für den Aufstieg in die Verbandsliga seien für den Trainer die SG Bronnzell, der SV Neuhof und die SG Bad Soden II. „Wenn du einen der drei hinter dir lässt, dann spielst du eine gute Saison. Lässt du zwei hinter dir, bist du entweder Erster oder Zweiter“, vermutet Maikranz abschließend.
