Lokales 11.02.2026

Streusalz wird zur Mangelware: Kommunen unter Druck

Fulda/Künzell (jah) – Die Temperaturen in der Region steigen aktuell wieder etwas, das Tauwetter hat eingesetzt, der letzte verbliebene Schnee schmilzt – doch vor wenigen Wochen hatte der Winter die Region Osthessen noch fest im Griff. Damit verbunden erhöhte sich auch der Druck auf die Winterdienste in der Region, die alles tun mussten, um den schwierigen Witterungsbedingungen Herr zu werden. Besonders die Versorgung mit Streusalz entwickelte sich zunehmend zu einem Problem – die Streusalzknappheit hat auch die hiesige Region vor große Herausforderungen gestellt.

Symbolfoto: Silas Messing

Die zuletzt anhaltenden winterlichen Witterungsbedingungen stellen die Kommunen in der Region vor große Herausforderungen. Besonders die Versorgung mit Streusalz entwickelt sich zunehmend zu einem Problem. Sowohl die Stadt Fulda als auch die Gemeinde Künzell berichten von Lieferengpässen, drastisch gestiegenen Preisen und einem hohen Verbrauch. „Bislang läuft der städtische Räum- und Streudienst noch ohne Einschränkungen, jedoch ist auch die Stadt Fulda von der allgemeinen Streusalzknappheit sowie anhaltenden Lieferschwierigkeiten betroffen“, heißt es auf Anfrage aus dem Fuldaer Stadtschloss: „Im Moment sind noch Vorräte vorhanden, jedoch musste im Januar schon – zu stark erhöhten Preisen – nachgeordert werden.“

Die Preissprünge seien enorm. „Die Kosten pro Tonne Salz haben sich in Einzelfällen nahezu verzehnfacht (von 60 bis 70 Euro auf rund 500 Euro)“, so die Pressestelle weiter. Dies stelle die Beschaffung vor große Probleme: „Die Situation stellt aktuell unsere Beschaffung vor große Herausforderungen und erfordert eine besonders vorausschauende Einsatzplanung.“

Wie schnell die Vorräte schwinden können, zeigen aktuelle Zahlen. „Eine Menge von 100 Tonnen Streusalz ist bei besonderen Wetterlagen wie zuletzt innerhalb von nur zwei Tagen verbraucht.“ Aktuell entspanne sich die Lage allerdings etwas: „Derzeit beruhigt sich die Wetterlage etwas, sodass im Moment nicht so viel Salz benötigt wird.“

Noch drastischer ist die Situation in der Nachbargemeinde Künzell. Bürgermeister Timo Zentgraf berichtet, dass zu Beginn der Wintersaison rund 250 Tonnen Streusalz eingelagert waren. Inzwischen ist davon nur noch ein Bruchteil übrig: „Aktuell sind noch circa 50 Tonnen vorhanden – kurzfristige Liefermöglichkeiten gäbe es, allerdings zu einem sehr hohen Preis.“ Angesichts der knappen Vorräte musste die Gemeinde bereits ihre Strategie anpassen. „Es sollen nur noch Steigungen und Buslinien gestreut werden. Ebenso natürlich Gehwege und Bushaltestellen“, erklärt Zentgraf. Andere Bereiche können voraussichtlich nicht mehr im gewohnten Umfang bedient werden.

Für die kommenden Winter zieht der Bürgermeister klare Konsequenzen: Trotz des aktuellen Tauwetters hält er eine vorsorgliche Vorratshaltung für unverzichtbar. Zwar sei “aufgrund des Klimawandels mit eher wärmeren Wintern zu rechnen, doch: „Sicher kann man nicht sein, deswegen müssen wir das Lager voll haben.“

Reaktionen oder Kritik aus der Bevölkerung gebe es bislang kaum. „Bis jetzt haben wir noch keine verstärkten Reaktionen, da wir bisher noch nichts reduziert haben“, so Zentgraf. Allerdings habe es bereits einen Vorfall gegeben: „Uns hat eine Nachricht erreicht, dass eine Dame wohl auf einer Straße ausgerutscht ist, da sie nicht den Gehweg nehmen konnte, den der zuständige Anlieger nicht gestreut hatte.“ Der Bürgermeister mahnt daher auch an die Verantwortung der Bürgerinnen und Bürger: „Die Reinigungspflicht der Anwohner wird leider manchmal nicht ernst genug genommen, auch nicht nach unserer persönlichen Aufforderung. Das Pflichtbewusstsein ist mittlerweile leider sehr unterschiedlich ausgeprägt.“

Die aktuelle Wintersaison zeigt deutlich: Ohne ausreichende Vorräte und verlässliche Lieferketten geraten selbst routinierte Abläufe wie der Winterdienst schnell an ihre Grenzen. Ob sich die Lage in den kommenden Jahren entspannt, bleibt offen – sicher ist nur, dass die Kommunen künftig noch vorausschauender planen müssen.