„Wir wollten diesen Schritt eigentlich schon im vergangenen Jahr gehen“, erzählt Geschäftsführerin Kathy Buhr im Gespräch mit der Osthessen-Zeitung. „Der Online-Umsatz ist extrem gestiegen, während der Laden immer weniger geworden ist.“ Kunden aus Würzburg, Schweinfurt oder Nürnberg seien früher bis zu vier Stunden angereist. Heute werde bequem bestellt – und das Online-Geschäft überwiege inzwischen deutlich.
Letzte Verkaufstage – dann rollen die Umzugswagen
Der letzte reguläre Verkaufstag ist voraussichtlich Mittwoch, 25. Februar. Ab Donnerstag beginnt der große Umzug. Ein Lkw mit Ladehebebebühne steht bereit, das gesamte Team packt mit an. Das bisherige Gebäude wird ab dem 28. Februar nicht mehr genutzt. Der Mietvertrag läuft zwar noch bis August, doch da ein Abriss des Komplexes im Raum steht und ohnehin eine strategische Neuausrichtung geplant war, fiel die Entscheidung nun bewusst.
Die neue Fläche befindet sich ebenfalls an der Turmstraße – in einem ehemaligen Supermarktgebäude am Liedeweg 65. 530 Quadratmeter stehen dort zur Verfügung, inklusive separatem Verpackungsraum für Online-Bestellungen, großem Büro und Küche.
Das Flair bleibt: Lagerverkauf jeden ersten Samstag
Ganz verschwinden wird das Einkaufserlebnis jedoch nicht. „Wir bauen den Laden dort 1:1 nach“, betont Buhr. Kunden können weiterhin vor Ort stöbern – allerdings ohne feste Öffnungszeiten. Stattdessen wird es künftig jeden ersten Samstag im Monat einen „Lagerverkauf“ geben. Zusätzlich können Bestellungen online aufgegeben und direkt im Lager abgeholt werden.
„Wir sind ohnehin jeden Tag vor Ort, sonst könnten wir das Online-Geschäft gar nicht stemmen“, erklärt die Unternehmerin. Mindestens vier Mitarbeitende seien allein für das Verpacken der Bestellungen im Einsatz. Durch den Wegfall fester Ladenzeiten reduziere sich jedoch der Personal- und Organisationsaufwand. Auch gesetzliche Vorgaben – etwa das Verbot von Einzelarbeit aus Sicherheitsgründen – hätten den Betrieb zuletzt erschwert.
In der letzten Verkaufswoche ist eine Rabattaktion mit zehn Prozent Preisnachlass im Laden geplant. „Viel mehr geht nicht“, sagt Buhr. „Wir müssen trotz Abverkauf wirtschaftlich bleiben.“
Abschied mit Gänsehautmomenten
Der Abschied vom bisherigen Standort fällt der Unternehmerin sichtbar schwer. „Ich habe schon geweint“, gibt sie offen zu. Gemeinsam mit ihrem Mann habe sie Regale geplant, Farben ausgesucht, den Boden gestalten lassen – jedes Detail sei mit Erinnerungen verbunden. Besonders prägend waren die großen Events: Super-Bowl-Wochenenden mit Hotdogs vor der Tür, Halloween-Late-Night-Shopping mit DJ, Burger-Truck, Tuning-Treffen oder der Weihnachtsmann für die Kinder.
„Wir wollten das amerikanische Lebensgefühl hierherholen“, sagt Buhr. Ihr amerikanischer Mann und ihr inzwischen verstorbener Schwiegervater hätten sie stark geprägt. „Er war unglaublich stolz und hat bei jedem Event hier gesessen und alles beobachtet.“
Gleichzeitig freue sie sich auf den Neuanfang. „Ich glaube, dass wir das Geschäft so noch besser abwickeln können – und privat auch wieder etwas mehr Zeit haben.“
Kosten steigen – Konzept bleibt
Steigende Zölle und Inflation seien spürbar, erklärt Buhr, doch sie betont: „Das hat nichts mit Parteipolitik zu tun.“ Importware sei generell teurer geworden, ebenso viele Produkte im Alltag. Dennoch wolle man weiterhin besondere Artikel anbieten – „ein Stück Heimat, ein Stück Urlaubsgefühl“.
Mit einer Vielzahl an Followern auf Facebook und Instagram verfügt „my sweet USA“ über eine starke Social-Media-Community. Auf den Kanälen informiert das Team zeitnah über Umzug, Öffnungstage und den ersten Lagerverkauf, der für den ersten Samstag im April geplant ist.
