Das Einkaufszentrum am Florenberg gehört seit Jahrzehnten zum gewohnten Bild in Künzell. Doch die Gebäude stammen größtenteils aus den 1980er- und 1990er-Jahren – und sind mittlerweile deutlich in die Jahre gekommen. „Die Substanz der Gebäude ist einfach zu schlecht, auch energetisch“, erläutert Bürgermeister Timo Zentgraf. „Sie entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen und produzieren beispielsweise keinen eigenen Strom für Kühlung oder Betrieb. Das wollen wir auf ein neues Niveau heben.“ Der Anstoß für die aktuellen Planungen kam bereits kurz nach Zentgrafs Amtsantritt. „In meinem ersten Amtsmonat im Juli 2025 ist Aldi auf mich zugekommen und hat gefragt, wie es mit dem Standort weitergeht“, berichtet er. Im Raum standen damals sowohl eine mögliche Aufgabe des Standorts als auch eine grundlegende Modernisierung. „Wir haben dann gemeinsam überlegt, wie sich das gesamte Areal optimieren lässt – angefangen bei der Verkehrsanbindung, etwa durch den dann entstandenen Kreisverkehr.“
Inzwischen ist klar: Das gesamte Gelände soll schrittweise neu entwickelt werden. Die Werner-Gruppe hat das Areal übernommen und treibt die Planungen voran. Vorgesehen ist unter anderem ein kompletter Neubau des Aldi-Marktes. Auch der Rewe-Markt soll künftig auf die Fläche des Florenberg-Centers wechseln und damit die Straßenseite tauschen. Ergänzt werden soll das Angebot durch einen Drogeriemarkt – geplant ist ein Markt der Kette „dm“. Bestehende Nutzungen wie etwa der Getränkemarkt sollen hingegen erhalten bleiben. Ziel der Neugestaltung ist es, das bisher eher gewachsene und teilweise ungeordnete Erscheinungsbild des Centers zu strukturieren. „Das war über die Jahre ein Stück weit eine Ansammlung von Märkten“, sagt Zentgraf. „Jetzt wollen wir das Ganze wieder auf richtige Füße stellen und das Center insgesamt beleben.“
Ein wichtiger Bestandteil der Planungen betrifft auch die medizinische Versorgung. Für das bestehende Ärztehaus und die Apotheke werden neue Räume benötigt. Erste Überlegungen, die Praxen in das Obergeschoss über darunter ziehenden Markt zu integrieren, scheiterten jedoch. „Das wollten die Ärzte auf keinen Fall“, so Zentgraf. Auch ein weiterer Entwurf hinter der Bäckerei Storch kam nicht zustande. Nun zeichnet sich eine Lösung an anderer Stelle ab: „Dort, wo früher das Autohaus war, soll ein neues Gebäude mit Arztpraxen und Apotheke entstehen. Wenn das fertig ist, können die bisherigen Flächen frei werden.“ Der Zeitplan hängt indes stark von diesen Entwicklungen ab. „Die Ärzte werden logischerweise erst umziehen, wenn ihre neuen Räumlichkeiten fertig sind“, betont Zentgraf. Insgesamt rechnet der Künzeller Bürgermeister mit einem Zeitraum von etwa zwei Jahren für die Umsetzung der Neubauten. Einzelne Maßnahmen könnten jedoch vorgezogen werden: „Es kann sein, dass Aldi schon vorher abreißt und neu baut – aber das wird sich erst im weiteren Verlauf zeigen.“
Mit dem kürzlich gefassten Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan ist nun der formale Startschuss gefallen. Konkrete Details sollen in den kommenden Sitzungen der politischen Gremien ausgearbeitet werden. „Der Beschluss war erst der Anfang“, sagt Zentgraf. „Jetzt geht es Schritt für Schritt weiter, um die Planungen zu konkretisieren und offene Fragen zu klären.“ Auch der bisherige Rewe-Standort spielt in den Überlegungen eine Rolle. Dort soll künftig keine weitere Nahversorgung entstehen, um eine Überversorgung zu vermeiden. Stattdessen wird über andere gewerbliche Nutzungen nachgedacht. Mit der geplanten Neuentwicklung verfolgt die Gemeinde ein klares Ziel: das Florenberg-Center fit für die Zukunft zu machen und zugleich Kaufkraft in Künzell zu halten.
