Lokales 30.04.2026

400 Jahre Juden in der Rhön – Ausstellung in der Waggonia eröffnet

Loheland (gü/pm) – Die Ausstellung „400 Jahre Juden in der Rhön“ des Vereins „Zukunft Bildung Fulda“ ist ab sofort bis zum 14. Juni in der Waggonia Loheland zu sehen. Zur Eröffnung am Donnerstag waren neben den am Aufbau beteiligten Schülern auch Kurator Dr. Michael Imhof und Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär Michael Brand gekommen.

Foto: Christine Görlich.

Brand machte in seinem Grußwort deutlich, dass Geschichte mehr als Aufarbeitung sei. „Es wird deutlich, dass jüdisches Leben seit hunderten Jahren selbstverständlicher Teil unseres Landes, aber auch unserer Region ist“, sagte er zur Ausstellung. Kulturell, wissenschaftlich, gesellschaftlich und wirtschaftlich habe und gebe es auch wieder eine starke Verwurzelung jüdischen Lebens in der Region und im Land. „Geschichte ist ein Auftrag“, sagte Brand. Deshalb sei es wunderbar, dass die Schüler die Ausstellung mit aufgebaut hätten. Es sei heute in Deutschland und anderen Ländern wieder zu erleben, dass Juden und andere Minderheiten sich rechtfertigen müssten. „Ich glaube es braucht ein Signal, dass Minderheiten keine Angst haben müssen, dass Minderheiten auch nicht an der Seite stehen, sondern wichtiger Teil unserer Gesellschaft sind“, so Brand. Es sei wichtig zu begreifen, dass Angelegenheiten von Minderheiten eine Angelegenheit der Mehrheitsgesellschaft seien. Denn der Umgang mit Minderheiten sage nicht nur etwas über die Menschlichkeit aus, sondern mache auch die freiheitliche Demokratie stärker. „Auch diesen Aspekt müssen wir in den Vordergrund stellen, die Bereicherung unseres Landes durch Minderheiten“, so Brand.

Eine Einführung in die Ausstellung gab Historiker Imhof. Die Wanderausstellung widmet sich der Geschichte jüdischen Lebens in der Rhön – von der Ansiedlung jüdischer Familien in der frühen Neuzeit über ihre rechtliche Gleichstellung und ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung im 19. Jahrhundert bis hin zu Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung in der Zeit des Nationalsozialismus. Auch jüdische Bauten, wie Synagogen und Mikwen, werden thematisiert. „Die Geschichte der Juden in der Rhön, die über 400 Jahre zurückreicht, bietet tiefgreifende Einblicke in das ländliche jüdische Leben, das Zusammenleben der Kulturen und die verheerenden Folgen des Antisemitismus“, sagte Imhof. „Unsere wandernde Ausstellung ist so Lernort und Erinnerungskultur zugleich und ist Mahnung zur Verantwortung“, fasste Imhof zusammen: „Ihre Aufarbeitung hilft, die lokalen Wurzeln des Antisemitismus zu verstehen und ein Bewusstsein für den Schutz von Minderheiten zu entwickeln.“ Um den heute wieder ansteigenden Antisemitismus zu begegnen, müsse verstanden werden, woher der Hass komme. „Die Geschichte der Juden in Fulda und der Region kann uns dabei helfen, diese Zusammenhänge zu begreifen“, sagte Imhof: „Sie zeigt uns, dass Vorurteile und Diskriminierung eine lange Tradition haben und verheerende Folgen hatten und wieder haben können. Wenn wir diese Geschichte vergessen, riskieren wir, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen.“

Loheland-Geschäftsführer Dr. Maximilian Abou El Eisch-Boes ging auf den Ausstellungsort ein. „Die Waggonia ist ein Ort, der zu den frühen Bauten hier von Loheland gehört.“ Nach vielen Renovierungen in den vergangenen Jahren sei die Freude groß, dass dieser Ort, der immer schon ein Ort der Kreativität war, lebendig sei. Mit der Präsentation der Ausstellung dort werde an die kulturelle Bedeutung der Waggonia angeknüpft. Die Zusammenarbeit mit Imhof und dem Loheland-Archiv mache Geschichte für die Schülerinnen und Schüler unmittelbar erfahrbar. Die von Imhof kuratierte Ausstellung war gemeinsam von Mitarbeitenden des Vereins „Zukunft Bildung Fulda“ und Schülerinnen und Schülern des Leistungskurses Geschichte der Klasse 12 der Rudolf-Steiner-Schule Loheland in der Waggonia und weiteren Räumen auf dem Gelände aufgebaut worden.