Lokales 22.09.2025

Erfolgreiche Operation am offenen Herzen - Rathausanbau eingeweiht

Künzell (gü) – Bei strahlendem Sonnenschein wurde am Samstagvormittag der Anbau an das Künzeller Rathaus eingeweiht. 3,6 Millionen Euro wurden investiert – 1,7 Millionen Euro davon kamen aus der Hessenkasse –, um den zuletzt beengten Verhältnissen im Bürgerbüro und den Büros der Mitarbeitenden entgegenzuwirken. Im Anschluss konnten sich die Bürger bei einem Tag der offenen Tür selbst ein Bild machen und bei einer Fotoaktion sogar am Schreibtisch des Bürgermeisters Platz nehmen.

Architekt Thomas Kratz (links) übergab symbolisch einen Schlüssel an Bürgermeister Timo Zentgraf. Foto: Jasha Günther

Die „Operation am offenen Herzen“, wie Sabine Räth, Mitarbeiterin der Gemeinde und Moderatorin der Einweihung, es bezeichnete, wurde erfolgreich abgeschlossen. Bei laufendem Betrieb waren in den vergangenen Jahren zunächst die alte Hausmeisterwohnung abgerissen und dann der Anbau errichtet worden. „Die Mitarbeitenden waren leidensfähig“, sagte Bürgermeister Timo Zentgraf mit Blick auf die Bauzeit, für die extra ein Automat mit Ohrstöpseln im Rathaus aufgehängt worden war. Die Bürger bekamen es auch mit, denn für die Zeit der Bauarbeiten war das Bürgerbüro in den Rathaussaal umgezogen – die Alternative wären Container gewesen. Auch Architekt Thomas Kratz dankte den Beschäftigten der Gemeinde für die Ruhe und Geduld, mit der sie Lärm und Staub ertragen hätten. Zudem dankte er auch Architektin Julia Roggel, von der der Entwurf für den Anbau stammte.

Zentgraf ließ in seiner Ansprach die Zeit von der Einstellung der ersten Planungskosten im Herbst 2021 über den Abtransport der ersten Garagen im August 2023 und den direkt darauf folgenden Abriss bis zum Einbau der letzten Fußböden in dieser Woche im Revue passieren. Dabei gab es die ein oder andere Unwägbarkeit, etwa die kurz vor dem Abriss in Kraft getretene Ersatzbaustoffverordnung, deren Anforderungen zu Verzögerungen und einer Kostensteigerung führten, oder die kalten Temperaturen, die bei der Pfahlgründung den Beton in den Rohren gefrieren ließen. Auch in den Bereichen Elektro, Heizung und Sanitär musste mehr gemacht werden, als zunächst angenommen. „Wir haben ein solides und vorzeigbares Ambiente geschaffen“, freute sich Zentgraf abschließend. Der Anbau wurde so angelegt, dass im Bereich der Terrasse, auf der die Einweihungsfeier stattfand, noch zwei Etagen aufgestockt werden können, sollte es in Zukunft nochmal zu eng werden.

In den Grußworten spielte Vertrauen immer wieder eine Rolle. Johannes Groß, Vorsitzender der Gemeindevertretung, verglich die Verbindung zwischen dem bestehenden Gebäude und dem Anbau mit einer Hochzeit, beides habe viel mit Vertrauen und Zusammenhalt zu tun. Der Bürgermeister habe die Gemeindevertreter insbesondere in den Ausschüssen immer auf dem Laufenden gehalten. Groß freue sich für die Mitarbeiter der Verwaltung, dass diese die Räume nun nutzen können. Michael Brand, der als Wahlkreisabgeordneter, Kreistagsabgeordneter, Eingeborener und Vertreter der Bundesregierung an der Feier teilnahm, hob hervor: „Das Herz unserer Demokratie lebt und schlägt in den Kommunen. Die Mitarbeiter sind die Visitenkarte dieses Rathauses und der Demokratie.“ Im Namen von Zentgrafs Amtskollegen gratulierte Neuhofs Bürgermeister Heiko Stolz als Vorsitzender der Bürgermeisterkreisversammlung: „In der heutigen Zeit gibt es nicht mehr viele Kommunen, die sich einen Rathausanbau leisten können.“ Am Ende des Tages seien es aber die Menschen darin, die das Gebäude ausmachen. Die Segnung nahm der katholische Pfarrer Rudolf Liebig vor, der auch die Ansprache von seiner kurzfristig verhinderten evangelischen Kollegin Julia Kaiser vorlas.

In dem Anbau sind unter anderem Büros für Mitarbeitende, ein neues Bürgerbüro und eine Küche für den Rathaussaal mit Sitzmöglichkeiten und angeschlossener Terrasse entstanden, die auch als Rückzugsort für die Mitarbeitenden genutzt werden kann. Beim Tag der offenen Tür konnten die Gäste einen Blick in die Büros und das neue Bürgerbüro werfen, sich am Schreibtisch des Bürgermeisters fotografieren lassen und einen Blick in die Historie des Rathauses werfen, das einst als Dorfgemeinschaftshaus und Feuerwehrstützpunkt gebaut wurde. Wo heute das Bürgerbüro ist, standen bis in die 1990er Jahre die Feuerwehrfahrzeuge und der Abfluss der damaligen Dusche ist heute noch im dahinter gelegenen Lagerraum zu sehen. Erst in den 1980er Jahren wurde der Schriftzug Rathaus an dem bis heute mehrfach erweiterten Gebäude angebracht. Bürgermeister war damals Hermann Brück, der sich wie sein Amtsnachfolger Peter Meinecke selbst ein Bild vor Ort machte. Für Kinder gab es Bastelaktionen und für das leibliche Wohl war natürlich auch bestens gesorgt.

Einweihung des Rathausanbaus in Künzell - Teil 1. Fotos: Jasha Günther