Lokales 12.09.2025

61 neue Gesellen feiern – Handwerksnachwuchs für die Region

Fulda (sim) – Mit Stolz, Applaus und bewegenden Worten bekamen am Freitagabend 61 junge Handwerker feierlich ihre Gesellenbriefe überreicht. Die gemeinsame Freisprechungsfeier der Bau-Innungen Fulda fand in festlichem Rahmen statt und wurde von Sabine Räth moderiert. Eingeladen waren neben den Absolventen auch deren Familien, Freunde sowie zahlreiche Ehrengäste aus Handwerk, Politik und Bildung. Ein besonderer Dank ging gleich zu Beginn an die Kreishandwerkerschaft Fulda mit Geschäftsführerin Gabriele Leipold, die Organisation und Ablauf der Veranstaltung federführend verantwortete.

Die 61 freigesprochenen Gesellen. Fotos: Silas Messing

Die Prüfungsbesten

Die Bedeutung der handwerklichen Ausbildung zog sich wie ein roter Faden durch die Reden des Abends. In einer Zeit des Fachkräftemangels, so betonten die Redner, sei das Handwerk ein stabilisierender Pfeiler der Gesellschaft. Künzells Bürgermeister Timo Zentgraf erinnerte daran, wie sehr Leidenschaft und Beruf zusammengehören: „Was ich mit Leidenschaft tue, das lässt mein Hobby zu Beruf werden.“ Über ein Drittel aller Auszubildenden in Deutschland seien im Handwerk tätig – damit sei das Handwerk nicht nur größter Ausbilder, sondern auch tragender Wirtschaftszweig. Die duale Ausbildung, bestehend aus betrieblicher Praxis, überbetrieblicher Schulung in der Lehrbauhalle des BBO Fulda sowie dem Unterricht an Berufsschulen wie der Ferdinand-Braun-Schule, wurde als Modell mit internationalem Vorbildcharakter gewürdigt. Besonders die Kombination aus Theorie, Praxis und Persönlichkeitsentwicklung sei entscheidend für den beruflichen Erfolg.

Neben Bürgermeister Zentgraf begrüßten auch der Fuldaer Stadtrat Stefan Graul, Landrat Bernd Woide, Bernd Hüber (BBO Fulda), Stellvertretender Kreishandwerksmeister Michael Wißler sowie Ulrike Vogler, Leiterin der Ferdinand-Braun-Schule, die Gäste und überbrachten ihre Glückwünsche an die Absolventen. Vogler erinnerte mit einem Symbolbild: „Erfolg ist eine Treppe, keine Tür.“

In einer Talkrunde berichten drei frischgebackene Gesellen – Johann Weß (Maurer, Günther Bau), Julius Nüchter (Zimmerer, Rensch-Haus) und Finn Gottschalk (Dachdecker, Köhler) – gemeinsam mit Ausbildern, Lehrern und den drei Obermeistern Jürgen Bug, Dietmar Dimmerling und Dr. Christoph Schetter über ihre Ausbildungswege, Herausforderungen und Erfolge. Dabei wurde deutlich: Motivation kann aus ganz unterschiedlichen Quellen kommen – Familientradition, Praktika oder das Gefühl, mit den eigenen Händen etwas Dauerhaftes zu schaffen. Die Bedeutung von Teamarbeit, digitalen Kompetenzen und lebenslangem Lernen wurde ebenso betont wie der Wunsch nach Wertschätzung, individueller Förderung und guter Bezahlung. Die Auszubildenden beschrieben mit einem Augenzwinkern die „Superkräfte“ ihrer Berufe: Dächer schützen, Wohnraum schaffen, Bauwerke errichten – Fähigkeiten, die im Alltag oft unterschätzt werden, aber elementar für die Lebensqualität seien.

Ein emotionaler Höhepunkt war die offizielle Freisprechung durch Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer. In einer traditionsreichen Zeremonie, die bis ins Spätmittelalter zurückreicht, sprach er die anwesenden Prüflinge von den Pflichten ihrer Ausbildung frei: „Ich spreche euch ledig los und frei vom Zwang der Lehre und Ausbildung und darf euch ganz herzlich begrüßen in der regionalen Fuldaer Anfängerfamilie. Die Welt steht euch offen.“ Im Anschluss erhielten die neuen Gesellen aus den Berufen Zimmerer, Dachdecker, Maurer, Fliesenleger sowie Beton- und Stahlbetonbauer ihre Gesellenbriefe. Sommer- und Winterabsolventen wurden dabei alphabetisch aufgerufen und gemeinsam mit ihren Ausbildungsbetrieben fotografiert. Besonders hervorgehoben wurden die Prüfungsbesten jedes Gewerks: Domenik Thomas (Zimmerer, Ralf Sickert Holzbau), Finn Gottschalk (Dachdecker, Köhler), Roman Luther (Beton- und Stahlbetonbauer, Giebelbau) sowie Jonas Mihm (Maurer, Thomas Ziegler), der zusätzlich den Titel des Vize-Hessenmeisters errang.

Landrat Bernd Woide würdigte in seinem Grußwort das Handwerk als Rückgrat der Region: „Wir brauchen euch, wir brauchen ein leistungsfähiges Handwerk in den unterschiedlichsten Gewerken, gerade im großen Bereich des Baus.“ Gleichzeitig sprach er die Einladung aus, auch nach der Ausbildung in der Region zu bleiben – oder dorthin zurückzukehren. Die Türen stünden offen, die Perspektiven seien vielfältig.

Mit einem gemeinsamen Gruppenfoto, der Eröffnung des Buffets und musikalischer Unterhaltung durch DJ Kjell Müller klang der Abend aus – ein würdiger Abschluss für einen bedeutenden Meilenstein im Leben von 61 jungen Menschen, die nun als Gesellen ihren Weg im Handwerk antreten. Oder wie Obermeister Jürgen Bug es formulierte: „Ihr stellt die Versorgung in unserer Region mit Fachkräften sicher – und könnt dabei glänzende Zukunftsaussichten erwarten.“