Lokales 16.10.2025

Vom Ankommen zum Anpacken: Gulied findet bei Dröder eine Heimat

Künzell – Von Silas Messing – Wenn Omer Hussein Gulied morgens in den Bus Richtung Arbeit steigt, beginnt für ihn mehr als nur ein gewöhnlicher Arbeitstag. Der 20-Jährige stammt aus Somalia und ist seit März 2022 in Deutschland. Heute befindet er sich im zweiten Ausbildungsjahr zum Fachlageristen bei der Spedition Dröder  – einem mittelständischen Familienunternehmen mit über 250 Mitarbeitenden und einer beeindruckenden Firmengeschichte, die bis ins Jahr 1952 zurückreicht.

Von Links: Michael Mück, Matthias Dengler, Hans-Jörg Dröder, Omer Hussein Gulied, Gerald Krug und Wolfgang Schad. Foto: Silas Messing

Doch Gulied steht sinnbildlich für ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte: eines, das von Integration, Chancen und gegenseitigem Respekt geprägt ist.

Ein Weg mit Hindernissen – und viel Unterstützung

Omer Hussein Gulied kam ohne Sprachkenntnisse nach Deutschland, schaffte 2024 den Hauptschulabschluss und absolvierte zunächst eine berufsvorbereitende Maßnahme mit Unterstützung von Schulen, dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft und der Agentur für Arbeit. „Ich habe dann die außerbetriebliche Ausbildung angefangen“, berichtete er rückblickend. Praktika halfen ihm, den Bereich Lagerlogistik für sich zu entdecken – und den passenden Ausbildungsbetrieb gleich dazu. Seit dem 1. August 2024 ist der 20-Jährige bei Dröder angestellt, wo er den praktischen Teil seiner Ausbildung absolviert. Seine Tage sind gut strukturiert: Mit dem Bus fährt er vom Azubiwohnheim in Fulda zur Arbeit, wo er nicht nur Regale, sondern auch seine Zukunft sortiert. Seine sprachlichen Fortschritte sind beachtlich – Gulied spricht inzwischen Somali, Arabisch, Englisch und Deutsch.

Ausbildung mit Perspektive

Die Ausbildung zum Fachlageristen bei Dröder ist praxisnah, vielfältig und zielgerichtet aufgebaut. Von der Kommissionierung über Block- und Hochregallager bis zur Mitarbeit an Schwertransporten lernt Omer Hussein Gulied alle Facetten der modernen Lagerlogistik kennen. Unterstützung bekommt er durch begleitende Stütz- und Sprachkurse sowie von Kollegen, die ihn vom ersten Tag an ins Team aufgenommen haben. Dass das Unternehmen junge Menschen wie Gulied gezielt fördert, ist kein Zufall. Dröder investiert gezielt in Ausbildung und Integration – nicht nur aus sozialer Überzeugung, sondern auch als Antwort auf den Fachkräftemangel. „Wir legen viel Wert auf ein familiäres Umfeld, Ausbildung auf Augenhöhe und persönliche Förderung“, betonte Junior-Geschäftsführer Hans-Jörg Dröder. Weit über 100 Lehrlinge wurden seit 1952 ausgebildet – viele davon mit Migrationshintergrund.

Integration als gelebter Alltag

Gulied ist bei Dröder nicht der Einzige mit einer Migrationsgeschichte. Doch seine Motivation, Offenheit und Zielstrebigkeit machen ihn zu einem besonderen Beispiel gelungener Integration. In seiner Freizeit spielt er Fußball mit Freunden und bleibt über soziale Netzwerke in Kontakt mit seiner Heimat Somalia. Gleichzeitig hat er in Deutschland ein neues Zuhause gefunden – im Unternehmen, im Wohnheim, im Alltag. Dass Praktika und frühzeitige Orientierung essenziell für den erfolgreichen Einstieg in den Beruf sind, zeigt sein Weg eindrucksvoll: Ohne die enge Zusammenarbeit zwischen Schule, Bildungswerk, Agentur für Arbeit und Unternehmen hätte dieser Weg ganz anders verlaufen können.

Ein Vorbild für andere

„Ich möchte die Ausbildung beenden und dann weiterarbeiten“, so Gulied. Ein Satz, der einfach klingt – aber viel bedeutet. Denn er zeigt: Integration endet nicht mit dem Arbeitsvertrag, sie beginnt dort erst richtig. Der Somalier ist heute nicht nur ein wertvoller Teil des Dröder -Teams, sondern auch ein Vorbild für andere junge Menschen mit ähnlichem Hintergrund. Die Verantwortlichen bei Dröder fassen es mit drei Worten zusammen, warum junge Menschen wie Gulied bei ihnen Heimat finden: familiäres Umfeld – Augenhöhe – fundierte Ausbildung.

Omer Hussein Gulied bei der Spedition Dröder. Fotos: Silas Messing