Als Künzells Bürgermeister Timo Zentgraf bei der Einweihung vor Ort vom Gesamtkostenvolumen von 3,7 Millionen Euro sprach, fügte er gleich an: „Ein Baustelle in dieser Größenordnung hatten wir noch nicht“. Es freue ihn besonders, dass es nun endlich zur Freigabe gekommen ist, da hinter dem Projekt ein langer, steiniger Weg liegt – über mehrere Amtszeiten des Rathauschefs: 2015 ging es los, damals stieß Aldi an, dass die Frequenz auf dem Gelände zurückgehe. 2016 kam es zur Bauleitplanung, dann zu ersten Besprechungen. Negative Entwicklung: Die Kreuzung Turmstraße/In den Gründen/Am Frankengrund habe sich zum Unfallschwerpunkt entwickelt, so Zentgraf. Eine Ampel war vorhanden, jedoch sorgte die meist für noch mehr Chaos zu den Parkplätzen der Märkte hin – und durfte nicht eingeschaltet werden.
Hessen Mobil habe damals noch an der Landstraße festhalten wollen, ohne Ampel, ohne Kreisel. Doch das änderte sich im Laufe der Zeit. Es kam der erste Entwurf für einen Kreisel, dann Gespräche mit Anliegern. Vor vier bis fünf Jahren kamen Planungen für das Radwegekonzept hinzu, der Landkreis war mit im Boot. „Danke an alle Gewerbetreibenden, die Flächen abgeben mussten“, unterstrich der Bürgermeister. Für die Gemeinde blieb es dennoch ein steiniger Weg, die Baustelle vorzubereiten. Der Erwerb der Flächen sei teilweise „Harakiri“ gewesen, so Zentgraf über die Gespräche mit Investoren. Das Projekt drohte gar zu kippen.
Doch es klappte: 2023 der Satzungsbeschluss, 2024 die letzten Planungen. Bis dahin hatte die Gemeinde bereits 400.000 Euro in die Planung gesteckt, so Zentgraf. Am 15. August 2024 wurde mit dem Bau begonnen, Bickhardt Bau übernahm. Es folgte die Winterpause, als plötzlich Kabel im Weg lagen – die Telekom wurde eingeschaltet. „Wir hatten einen Tag Puffer – aber es hat gereicht“, atmete er Bürgermeister auf. Bis Rosenmontag war Winterpause, im Mai 2025 wurde der Förderbescheid übergeben, nun ist der Bau so gut wie abgeschlossen, und Zentgraf „strahlte“. Er sagte außerdem, dass es durchaus kontroverse Gespräche mit Anwohnern gegeben habe: „Aber da mussten wir durch. Und jetzt sehen sie wieder ruhigeren Zeiten entgegen“. Der Nahversorgungsstandort sei gesichert und „zukunftsfähig“ gemacht.
Lob gab es von Hessen Mobil und Markus Wagner, Fachdezernent Bau der Region Osthessen: „Die Gemeinde hat das Projekt hauptsächlich gestemmt. Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen“. Es handelte sich zwar „nur“ um 550 Meter Straße, jedoch sei der Bau komplex gewesen – mit Radwegen, der neuen Ampelanlage und dem Tiefbau. Über 7000 Quadratmeter sind neu gemacht worden, und die Nähe von einer neuen Ampelanlage (Kreuzung Bonifatiusstraße/Landweg/Turmstraße) zu einem fünfarmigen Kreisel, der neben dem in Bronnzell der einzige im Landkreis sei, ist außerdem ein „Novum“. Das Land Hessen beteiligte sich zu zwei Dritteln am Gesamtprojekt.
Auch Landrat Bernd Woide freute sich in einem kurzen Grußwort: „Das hier ist eine Hauptverkehrsader zwischen der Stadt und der Rhön, die natürlich auch für den Landkreis von großer Bedeutung ist. Das haben alle Beteiligten gut hinbekommen“.
Anschließend wurden gleich beide Projekte freigegeben: Der Kreisel mit dem Durchschneiden eines obligatorischen Bandes, und die Ampelanlage mit dem Drücken des Knopfes, die nun offiziell in Betrieb ist.
