In der Übersicht zu den Haushaltsplänen der vergangenen Jahre verdeutlichte Zentgraf, wie die Gemeinde trotz steigender Anforderungen und Kosten immer positive Ergebnisse vorweisen konnte. Er hob hervor, dass der größte Kostenpunkt weiterhin die Kinderbetreuung sei: „Das frisst uns ein Stück weit auf.“ Er stellte in der Präsentation einige geplante Projekte vor, darunter die Außengebietsentwässerung für Keulos (700.000 Euro), die energetische Sanierung des Dachgeschosses beim Bauamt (700.000 Euro) oder die Anschaffung neuer Maschinen für den Bauhof (519.000 Euro). Ebenso seien drei neue Arbeitsplätze im Stellenplan angedacht: In der IT, in der Kämmerei und für die Feuerwehr.
Künzell habe sich durch ein umsichtiges Handeln und gute Rücklagen in den vergangenen Jahren gut halten können, erläuterte Zentgraf. Für 2026 sei jedoch mit „Tauwetter“ zu rechnen, weshalb ein merklicher Sparkurs vorgesehen ist: „Vielleicht kommen irgendwann wieder bessere Jahre mit der Möglichkeit, mehr Wünsche zu erfüllen.“ Er blickte auf die große Politik auf Bundesebene, bei der viele Ideen positiv gedacht seien und einigen Wenigen bestimmt existenziell helfen würden: „Sie sind allerdings in ihrer Breite und mit einem für Alle Rechtsanspruch auch in geltenden dem größer werdenden Anspruchsdenken nicht mehr bezahlbar.“ Im heutigen System würden immer mehr Einzelne auf den eigenen größtmöglichen Profit abzielen. Durch den demografischen Wandel habe sich jedoch die Verhältnismäßigkeit geändert, etwa beim Thema Rente.
Einige bereits getroffene Entscheidungen seien eventuell nochmal zu überdenken, erläuterte der Bürgermeister: „Zum Beispiel beim Bau eines Beachvolleyballfeldes mit großen beding durch die getroffene Baunebenkosten Standortwahl oder bei der Planung zur Neuerrichtung eines bis dato nicht vorhandenen DFB-Minispielfeldes in Engelhelms.“ In der Vergangenheit habe die Gemeinde für die Haushalte immer etwas Spielraum gelassen: „Ungeplante Kostenerhöhungen werden nämlich immer auch durch die Gremien sehr kritisch hinterfragt, so dass ein ausgewiesener Puffer hilfreich ist.“ Für die kommenden Jahre seien die Ausgaben jedoch mehr gestiegen als die Einnahmen, weshalb ein gemäßigter Konsolidierungskurs erfolgen soll. Damit solle, so Zentgraf, der Abwärtsstrudel abgewendet werden, „in dem sich andere Kommunen schon lange befinden.“
Als eine Maßnahme kündigte der Bürgermeister die Anhebung der Steuersätze an: „Um im laufenden Finanzhaushalt 2026 aus den Zahlungsmittelüberschüssen zumindest die regulären Tilgungen bedienen zu können und damit wieder eine mit der Farbe Grün bewerteten Haushalt zu erhalten, sehen wir uns nach den erfolgten Sparbemühungen gezwungen, die Anhebung aller Hebesätze auf 400 Prozent zu planen.“ Der Rathauschef erzählte, dass ihm diese Entscheidung persönlich nicht gefalle. Er wie auch die Kämmerei wolle jedoch keinen strukturell defizitären Finanzhaushalt vorlegen: „Letztes Jahr zählte noch das Versprechen zur gleichbleibenden Grundsteuer, in diesem Jahr müssen wir den Realitäten ins Auge sehen.“
Als gutes Beispiel sei in der Verwaltung durch Sparvorgaben eine Reduzierung um circa 700.000 Euro erreicht worden, rechnete Zentgraf vor: „Wir sind guter Dinge, dass diese Zahl am Ende auch Bestand hat. Im Bereich der Personalkosten haben wir in diesem Jahr erstmals eine feste Zielgröße von 200.000 EUR zur Reduzierung der Kosten eingebaut.“ Er sprach von vielen kleinen Puzzleteilen, mit denen insgesamt eine ausgewogene finanzielle Situation erreicht werden solle. Einzelne Bereiche seien von den Sparmaßnahmen aber bewusst ausgeklammert worden, etwa die Vereinsförderung oder die Ausstattung der Kindergärten.
Lobend hob der Bürgermeister die bisherige Sparsamkeit hervor, wodurch weiterhin Investitionen möglich seien: „Es gibt genug angefangene Maßnahmen und Planungen, die wir abarbeiten müssen und wir dürfen das Personal bei der Vielzahl der Maßnahmen nicht überlasten.“ Bei der Gewerbesteuer sei keine sichere Aussage möglich, in den Vorjahren habe die Gemeinde sich aber immer über eine positive Überraschung freuen dürfen: „Durch die Anhebung des Hebesatzes auf 400 Prozent, der den meisten Firmen nicht weh tut, da er mit der Einkommenssteuer verrechnet werden kann, erhoffen wir uns eine Verstätigung der Gewerbesteuererträge.“
