Lokales 18.12.2025

Pendlerfrust: Bahn streicht morgendliche Verbindung nach Kassel

Fulda/Künzell (sim/gü) – Noch früher aufstehen oder zu spät ankommen – die Streichung und Verschiebung der morgendlichen Bahnverbindungen von Fulda nach Kassel mit dem Fahrplanwechsel am vergangenen Sonntag sorgt bei manchem Pendler für Frust. So auch bei einer Familie aus Künzell.

Verbindungen vom Bahnhof Fulda nach Kassel wurden teilweise gestrichen oder auf andere Uhrzeiten gelegt. Archivfoto: Görlich Media.

Torsten Schreiber aus Künzell findet deutliche Worte: „Fürchterlich oder katastrophal. Es ist für mich unerklärlich, dass der Pendelverkehr zwischen Fulda und Kassel gerade in den Stoßzeiten eingestellt wird.“ Grund für seine Kritik ist, dass werktags morgens zwischen 5.41 Uhr mit dem ICE beziehungsweise 5.48 Uhr mit dem Regionalexpress, der für die Strecke rund eine Stunde länger braucht, und 7.04 Uhr nun keine Züge mehr Fulda in Richtung Kassel verlassen. Bisher fuhren werktags je Stunde mindestens zwei Züge, doch mit dem Fahrplanwechsel fielen Verbindungen weg oder wurden verlegt. Schreibers Tochter pendelte bisher täglich mit dem Zug um 6.03 Uhr zur Schule in Kassel. „Nun muss sie den Zug um 5.41 Uhr nehmen, um pünktlich anzukommen. Das bedeutet ein noch früheres Aufstehen – und sie kommt zu einer Uhrzeit an, zu der die Schule noch nicht einmal geöffnet hat“, erklärt Schreiber. Alternativfahrten, etwa gegen 6.45 Uhr, sind gestrichen worden, sodass eine Lücke im ICE-Verkehr von knapp 90 Minuten entstanden ist. Selbst Polizisten, die regelmäßig nach Kassel pendeln, stünden nun vor ähnlichen Problemen, berichtet Schreiber: „Man kann nur denken, Fulda entwickelt sich zum Provinzkaff. Man zahlt viel Geld für ICE-Karten und bekommt dann unzuverlässige Züge“, kritisiert Schreiber.

Timo Zentgraf, Bürgermeister von Künzell, zeigt Verständnis für die Betroffenen, weist aber auf die Grenzen der Kommunalpolitik hin: „Da können wir nie im Leben etwas ausrichten. Die Entscheidung liegt allein bei der Deutschen Bahn. Wir werden lediglich informiert, aber haben keinen Einfluss. Dennoch ist es sehr ärgerlich, erst recht, wenn sinnvolle Züge wegfallen und es dadurch für einige schwieriger wird zu pendeln.“

Die Bahn teilt auf Nachfrage mit, dass der DB Fernverkehr auch weiterhin attraktive Reisemöglichkeiten am frühen Morgen von Fulda nach Kassel biete, zum Beispiel mit den ICE-Zügen um 5.41 Uhr, 7.04 Uhr und 8.04 Uhr. Die Veränderungen im Vergleich zum vorherigen Fahrplan seien nur leicht. „So startet der bisher um 6.05 Uhr abfahrende ICE bereits 25 Minuten früher um 5.41 Uhr, da sich die Zeitlage des Zuges geändert hat“, erläutert eine Bahnsprecherin: „Der bisher um 6.49 Uhr haltende ICE legt künftig keinen Stopp in Fulda mehr ein. Hintergrund ist die Systematisierung der Takt- und Halteraster wichtiger ICE-Linien, um das System weniger komplex zu machen und damit am Ende verlässlicher.“ Dadurch seien einige Einzelhalte künftig nicht mehr realisierbar, so wie der Halt in Fulda um 6.49 Uhr. „Von Fulda nach Kassel wurde diese Verbindung aber zuletzt ohnehin nur von sehr wenigen Reisenden genutzt“, berichtet die Bahnsprecherin: „Ersatzweise steht die Verbindung um 7.04 Uhr zur Verfügung – nur 15 Minuten später.“