Die Rahmendaten des Haushalts haben sich gegenüber dem durch Bürgermeister Timo Zentgraf eingebrachten Entwurf sogar verbessert. Aufgrund eines Landeszuschusses und günstigerer Zahlen bei den Kreisumlagen verminderte sich das geplante Defizit leicht auf 2,23 Millionen Euro bei einem Gesamtvolumen von 39,6 Millionen Euro. Dabei wurden die ursprünglich geplanten Hebesatzerhöhungen umgesetzt: Die Grundsteuer A wird auf 300 Prozentpunkte, die Grundsteuer B auf 350 Prozentpunkte und die Gewerbesteuer auf 400 Prozentpunkte angehoben. Damit erhöht sich die Grundsteuer für Hausbesitzer entsprechend von 310 auf 350 Punkte. Im Stellenplan gibt es drei neue Stellen, unter anderem für einen hauptamtlichen Gerätewart für die Feuerwehren und im IT-Bereich.
Wenig Kritik gab es in den Haushaltsreden der Fraktionen am Entwurf. Christof Erb, begründete keinen Antrag eingebracht zu haben, der zu weiteren Kosten führt: „Wir hatten im Hinterkopf die Grundsteuer B. Dafür wollten wir die Ausgaben senken, damit wir die Einnahmen nicht erhöhen müssen.” An sich sei Künzell mit „Infrastruktur gut ausgestattet.” Die CDU stehe zu den guten Spielplätzen, Radwegen, und Bürgerhäusern. Für die Zukunft stehe die, hauptsächlich energetische, Sanierung des Gemeindezentrums an. Erb schloss seine Rede mit: „Hoffen wir, dass es weitergeht mit wenig Schulden und bei den gemeindlichen Einrichtungen entsprechend passt.”
Thomas Grünkorn (CWE) sah in dem Defizit „ein Beispiel für die Finanznot der Kommunen”, der diese aus eigener Kraft kaum entkommen könnten. Der jetzt geplanten Steuererhöhung könnten sich „wohl die meisten anschließen”. Starke Kritik äußerte er an der Bürokratie und den damit verbundenen Kosten: „Einfache Klarheit wurde bei Vorschriften ersetzt durch umständliche Formulierungen: ”So hätten sich Planungskosten „in den letzten Jahren drastisch erhöht” - auch in Künzell. Insgesamt sah er die Gemeinde gut ausgestattet. Für die Ablehnung durch seine Partei und den Grünen, den Parkplatz vor dem Gemeindezentrum umzugestalten, erwartet er Dank vom Bürgermeister: „Hätten wir das gemacht, ständen wir jetzt allein durch die Abschreibungen im Haushalt sehr viel schlechter da.”
Für die Grünen versprach Bernd Eckart Zustimmung seiner Fraktion. Dabei verteidigte er die Grundsteuerhöhung: „Gegenüber dem Entwurf führt das zu Mindereinnahmen. Dazu kommt, dass wir die Straßenbeiträge abgeschafft haben. Viele haben in diesem Jahr weniger bezahlt wie vorher. Bei mir macht die Erhöhung gerade einmal 50 Euro im Jahr aus.” Zum Klimaschutz, dem „Lieblingsthema” der Grünen, sei nicht viel im Haushalt zu finden: „Wir hoffen, dass da in den nächsten Jahren mehr kommt.” Insgesamt lobte er noch das Arbeitsklima in der Gemeindevertretung. Es sei seine 27. Haushaltsrede und gegenüber den ersten Jahren würden jetzt auch Anträge seiner Partei ab und zu angenommen.
Für die SPD sprach Dieter Lachnit, der noch einmal an die Einbringung erinnerte, in der Timo Zentgraf „zum Rundumschlag” ausgeholt habe. Lachnit kritisierte Vorgaben des Landes beispielweise zur Kinderbetreuung, die dann nicht finanziell ausgeglichen würden. Den von der SPD eingebrachten Antrag, weitere Gelder für einen „Masterplan Neue Mitte” einzustellen, verteidigte er, obwohl er ihn zurückzog. Der Bereich habe große Bedeutung für Künzell mit großen Herausforderungen bezüglich sozialen Wohnraums, Verkehr und Energie – er nannte beispielsweise Fernwärme. Zum Thema erklärte Bürgermeister Zentgraf, es stände genug Geld zur Verfügung. Eher scheitere es an schwer zu findenden kompetenten Planern.
Jürgen Plappert (FDP) lobte die Arbeit in der Gemeindevertretung, „in der Sachpolitik über Parteipolitik steht”. Kritik übte er an Bund und Ländern, die zu wenig für Kommunen täten: „Die Einnahmen steigen weniger schnell als die Ausgaben und die wirtschaftliche Lage ist schlecht.” Dem Antrag der FDP, jeder Kindergartengruppe 250 Euro pro Jahr für eigene Projekte zur Verfügung zu stellen, stimmten die anderen Fraktionen zu. Ungeachtet dessen gab es einzig aus der FDP keine komplette Zustimmung zum Haushalt – die zwei Vertreter enthielten sich.
In der Sitzung erklärte Johannes Groß, Vorsitzender der Gemeindevertretung, seinen Mandatsverzicht zum 1. Januar. Er wird als Leiter des Hauptamts in die Gemeindeverwaltung wechseln und kann damit nicht weiter Gemeindevertreter sein. Schon vor seiner offiziellen Verabschiedung bedankte er sich bei allen Fraktionen sowohl für das Vertrauen bei der Wahl, obwohl er zu Beginn dieser Legislaturperiode noch „relativ unbekannt war”, als auch für die Zusammenarbeit: „Entscheidend ist, dass man sich sachlich auseinandersetzt und mit Respekt begegnet. Das habe ich hier erlebt.” In geheimer Wahl wurde Michael Wastl (CDU) zu seinem Nachfolger gewählt.
Es ist Tradition in Künzell, zum Jahressende verdiente Ehrenamtler zu auszuzeichnen. In der Sitzung erhielten Elfriede Klein und Roland Schmitt den Ehrenbrief des Landes Hessen für ihr langjähriges Engagement. Elfriede Klein ist für die CWE von 1997 bis 2006 sowie seit 2016 im Ortsbeirat von Dirlos aktiv. Roland Schmitt ist seit 2009 in der CDU-Fraktion Mitglied der Gemeindevertretung. Von 2006 bis 2016 war er Mitglied der Verbandsversammlung des Gruppenwasserwerks Florenberg und von 2009 bis 2011 in der Verbandsversammlung des Abwasserverbands Fulda. Über 30 Jahre war er aktives Mitglied in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Engelhelms.
