Eröffnet wurde das Gespräch von Thomas Schneider, Pressesprecher des KBV und selbst Nebenerwerbslandwirt, der betonte, dass der Abschluss der Getreideernte für Landwirte nicht nur „das Ende monatelanger Mühe auf den Feldern, sondern auch der Lohn für Ausdauer und Tatkraft bei Wind und Wetter“ sei. Er bedankte sich bei allen Betroffenen für das „Verständnis für Lärm und Staub während der Erntezeit“. Denn eins sei klar, so Thomas Schneider: „Die Ernte ist mehr als nur ein landwirtschaftlicher Vorgang: Sie ist Grundlage unserer Ernährung. Sie macht uns bewusst, wie wertvoll regionale Lebensmittel sind. Unser Ziel muss es bleiben, hochwertige regionale Lebensmittel zu erzeugen, und diesen so lebenswerten ländlichen Raum zu erhalten.“
Ein eher gemischtes Bild des Jahres 2025 präsentierte hingegen Vorsitzender Stefan Schneider. Nach dem relativ feuchten Vorjahr sei es in diesem Frühjahr trocken gewesen: „Durch immer wieder kleinere Regenzeiten konnte aber das Getreide mit Wurzeln dem Wasser hinterherwachsen, sodass die Erträge im Kreis Fulda in den meisten Betrieben gut bis sehr gut waren.“ Während es in Südhessen teilweise Qualitätseinbußen durch die Regenperiode im Juli gab, war das Getreide im Kreis Fulda noch nicht so weit ausgereift, sodass bei Roggen und Weizen gute Backqualität geerntet werden konnte. Auch bei Mais und Kartoffeln stehen die Bestände gut da und es ist eine entsprechend gute Ernte zu erwarten. Beim Grünland habe es im Juni zwar ein Einbruch durch die Trockenheit gegeben – insgesamt seien aber auch hier gute Erträge zu erwarten, sodass genügend Futter zu erwarten sei. Trotz der positiven Nachrichten, was die Ernteengen angeht sehe es dieses Jahr nicht rosig aus für die Landwirte. Der Erlös, auch pro Hektar, sinke. „Die Preise sind unter Druck. Pro Tonne Getreide sind es dieses Jahr 20 bis 30 Euro weniger als letztes Jahr“, so Stefan Schneider: „Und das sehr viel höheren Preisen für Dünger, Diesel und alle weiteren Ausgabeposten.“ Er zog das Resümee: „Trotz guter Ernte wird es ein eher schlechtes Jahr für Ackerbauern.“
Reine Ackerbauern machen rund zehn Prozent der hiesigen Landwirte aus. Für andere Betriebszweige sehe es etwas besser aus. Der Fuldaer KBV-Geschäftsführer Sebastian Schramm nannte die Erlöse für Milch und Rindfleisch „zufriedenstellend“, wenn auch der Geldwertverlust der vergangenen 15 Jahre durch den momentanen Milchpreis nicht ausgeglichen sei. Die Preise für Schweinefleisch seien zurzeit etwas niedriger, aber noch im Bereich der üblichen Schwankungen. Schlechter sehe es für Biobetriebe aus. Wie Norbert Werner vom „WernerGut“ aus Niederkalbach bestätigte, sei der Bio-Anteil im Landkreis Fulda „relativ hoch“. Einige Betriebe würden überlegen, wieder konventionell zu wirtschaften: Bio leide an den insgesamt hohen Preisen. Viele Verbraucher wollen oder können dann nicht noch mehr für biologisch erzeugte Lebensmittel bezahlen. Der geringere Absatz führte teilweise dazu, das Bio-Lebensmittel von Vermarktern zu gleichen oder sogar niedrigeren Preisen gekauft wurden als konventionell erzeugte Lebensmittel. Gleichzeitig führen immer mehr Vorschriften mit immer strikteren und auch teureren Überwachungsmechanismen dazu, dass sich Bio einfach nicht mehr lohnt: „Bio-Betriebe werden eher weniger werden durch überbordende Bürokratie.“
Das Gespräch fand auf dem Karolinenhof bei Künzell-Dirlos statt. Betriebsleiter Max Baltzer, der den Betrieb gemeinsam mit seinem Vater Martin als GbR führt, stellte den vielseitigen Hof vor. Neben Ackerbau und Pensionspferden wird ein Lohnunternehmen betrieben und auf geeigneten Dächern findet sich Photovoltaik. Max Baltzer selbst sah durchaus Zukunft im Betriebszweig Pensionspferdehaltung für gut darauf eingestellte Betriebe: „Geht eine Tür zu, geht die nächste auf.“ Sebastian Schramm verwies auf das insgesamt schwierige Umfeld: „Pferde sind ein teures Hobby. Und die Kosten für Stallplatz, Reithalle, Futter steigen stetig. Wahrscheinlich geht die Bereitschaft, ein Pferd zu besitzen, eher zurück, auch angesichts von - vorausgesagt - weniger sicherer Arbeitsplätze in der Zukunft.“
